Keimfrei

In den 50er und 60er Jahren beherrschte eine große Welle des Bemühens um Keimfreiheit die Gesellschaft. Keimfreie Unterwäsche, keimfrei machende Waschmittel und Zahnbürsten und viele andere keimfreie Gegenstände wurden propagiert – aus Angst vor Ansteckung, aus Angst vor den bösen Bakterien. Keimfrei sollten auch die Umgangsweisen untereinander sein. Zwischen den Menschen sollte es möglichst wenig Berührung geben und nach jedem Händedruck sollte man sich die Hände waschen. Das bestimmte auch die Beziehungen zu Kindern. Auch hier war Waschen wichtiger, als jemanden herzlich in den Arm zu nehmen. Sauberkeit statt Berührung. (mehr …)

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Die Grotbergschen Resilienzquellen – eine gute Hilfe für Therapie und Pädagogik

Der Resilienzbegriff ist in vieler Munde und wird gleichzeitig äußerst unterschiedlich benutzt. Emmy Werner und ihr Team beobachteten auf der Hawai-Insel Kauai fast 700 Kinder eines Jahrgangs, die unterschwierigen Lebensbedingungen aufwuchsen. Rund ein Drittel von ihnen zeigte sich überraschend alsbesonders widerstandsfähig gegenüber der Belastungen. Diese Kinder wurden als „resilient“ bezeichnet.

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„Welche Anzeichen gibt es bei Kindern, die auf traumatische Erfahrungen hinweisen können?“

Wenn Kinder von Eltern oder anderen Schläge und andere Gewalt erfahren, sind meist blaue Flecken oder andere körperliche Anzeichen festzustellen. Diese werden zwar oft zu verstecken oder weg zu erklären versucht, doch meist gibt es sichtbare körperliche Spuren. (mehr …)

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Wie verwandelt sich Leere?

Vortrag auf der Tagung „Konvergenzen, Divergenzen, Transformation“ der Deutschen Gesellschaft für Kunst- und Gestaltungstherapie“ in Berlin, 2007

(Da der Beitrag frei gehalten wurde, wurde der Text leicht überarbeitet und gekürzt.)

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Vor zwei Wochen hatte ich eine Klientin, die redete und redete und redete – und ich machte zarte Versuche, dazwischen zu kommen, aber sie redete und redete. Da griff ich auf meinen Notfallvorschlag zurück und bat sie, einen Moment auf ihren Atem zu lauschen. Und sie lauschte ihrem Atem. Eine Minute traute sie sich nicht, dreißig Sekunden – darauf einigten wir uns. Dreißig Sekunden innehalten. Ich musste ihr versprechen, dass ich nach dreißig Sekunden Bescheid sage. Nach dieser Zeit schreckte sie auf und sagte: „Da ist nichts! Da ist gar nichts! Da ist Leere.“  (mehr …)

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Die Bedeutung der Bindungstheorie für die Schule und den Unterricht

Bindung und Bildung gehören in der Tradition der akademischen Psychologie und Pädagogik bzw. Erziehungswissenschaft nicht zusammen. Das behindert bis heute unser Verständnis über die biographischen Voraussetzungen, die interessiertes, aufmerksames und erfolgreiches Lernen ermöglichen. Bindungstheoretische Überlegungen berücksichtigen eher die existenziellen menschlichen Bedürfnisse von Kindern als Grundlage für jede Art von menschlichem Lernen – anders, als die immer noch übliche, oft technizistische, an älteren Konzepten des Behaviorismus orientierte Unterrichtsmethodik und Didaktik, die den Zusammenhang von Lernen und Bindungsprozessen unberücksichtigt lässt. Dabei wird, wie zahlreiche empirische Studien belegen, Bildung und Lernen nachweislich sowohl durch positive wie auch durch unzureichende Bindungserfahrungen der Kinder im Elternhaus und in der Schule gefördert bzw. beeinträchtigt, und ebenso spielen die Bindungserfahrungen der Lehrerin oder des Lehrers eine bedeutende Rolle beim Transfer von Wissen vom Lehrer zum Schüler. M.a.W.: Bindungsqualitäten, die in sozialen Austauschprozessen eine bedeutende Rolle spielen und die Qualität des sozialen Miteinander nachhaltig prägen sind – aus Sicht der Bindungsforschung – ein wesentlicher Schlüssel zum Verständnis von Lernprozessen in der Schule und beim Schüler. Oder, wie der Bindungsforscher Grossmann ausführt: „Bei Kindern gibt es keine engagierte Bildung ohne persönliche Bindung oder zumindest persönliche Anteilnahme. Wenn man Bildung will, muss man sich auf Bindungen einlassen. Wenn nicht zu Hause, dann in der Schule.“  (mehr …)

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Umgang mit herausfordernden Schülern

„Den Ungehorsamen begleiten, damit er den Weg zu sich selber findet.“

Betrachten wir den allgemeinen Verlauf im Leben eines unglücklichen Kindes, so beruht sein kooperationsunwilliges Verhalten in erster Linie darauf, dass es entweder mit dem Verhalten seiner Eltern in einem Maß kooperiert, dass es selbstzerstörerisch wurde, oder dass es von seinen Eltern oder anderen Erwachsenen so ernsthaft verletzt wurde, dass seine persönliche Integrität Gefahr läuft, sich aufzulösen. (mehr …)

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SERIE Spürende Begegnungen mit Kindern und Jugendlichen (5): Spürende Begegnungen und Bindungsförderung

„Für die seelische Gesundheit des sich entwickelnden Kindes ist kontinuierliche und feinfühlige Fürsorge von herausragender Bedeutung. Es besteht eine biologische Notwendigkeit, mindestens eine Bindung aufzubauen, deren Funktion es ist, Sicherheit zu geben und gegen Stress zu schützen. Eine Bindung wird zu einer erwachsenen Person aufgebaut, die als stärker und weiser empfunden wird, so dass sie Schutz und Versorgung gewährleisten kann“ (Grossmann, Grossmann 2006, S. 67). Diese Person ist für den Säugling in der Regel die Mutter, ihre Funktion kann ersatzweise auch von anderen Menschen eingenommen werden (Großmutter, Vater, ältere Schwester, Kinderfrau etc.). Ein Kind braucht auch Bindungen mit gleicher Funktion zu anderen Personen außer zur Mutter, mit hierarchisch abnehmender Bedeutung. (mehr …)

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SERIE Spürende Begegnungen mit Kindern und Jugendlichen (4): Das Drücken oder Erdrückt-Werden / das Lehnen

Das Drücken

Drücken beinhaltet wie jede Leibbewegung eine motorische Ebene und eine Ebene des Erlebens. Motorisch kann man etwas mit unterschiedlicher Intensität drücken, zart, weich wie eine sanfte Berührung, aber auch fest und kraftvoll. Die Richtung des Drückens kann nach innen, gegen den eigenen Körper, oder kann nach außen gehen. Man kann etwas an sich herandrücken und etwas wegdrücken. Das Gegenteil des Wegdrückens ist das Ziehen. Das schnelle Wegdrücken wird zum Stoßen.

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SERIE Spürende Begegnungen mit Kindern und Jugendlichen (3): Das Greifen und Be-greifen, das Ergriffen-Werden

Greifen

Greifen ist auch Begreifen. Kinder begreifen die Welt. Kinder greifen nach der Mutter oder dem Vater, sie greifen nach Spielzeug, nach der Flasche, nach der Brust, nach allem, was sie interessiert. Ist das, wonach sie greifen wollen, nicht da, greifen sie ins Leere, machen Erfahrungen mit dem Nichts. Geschieht dies häufig, hören sie auf zu greifen. Sie halten ihre Greifimpulse zurück, etwa indem sie ihre Schultern chronisch anspannen, und können dann manchmal auch als Erwachsene die Arme gar nicht mehr bewusst heben oder ausstrecken. Sie empfinden ihre Hände als zu unlebendig, gelähmt oder schlaff, um mit ihnen nach etwas zu greifen. (mehr …)

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Warum Kunst für Geflüchtete?

„DIE KUNST IST DER ORT, AN DEM WIR DIE LEERE, DIE NICHTIGKEIT UND DEN SCHRECKEN DES TODES UND ZUGLEICH DIE GANZHEIT DES LEBENS DENKEN UND FÜHLEN KÖNNEN.“
David Grossmann

Um all das geht es in den künstlerischen Projekten von  ́aufrichten!` – die Leere, den Schrecken und die Ganzheit dessen, was erlebt wurde … Und das fühlend und denkend AUSZUDRÜCKEN. Die Künste dienen dem Ausdruck dessen, was sich ausdrücken will.
 Aus der therapeutischen Erfahrung wissen wir, dass Menschen leiden, wenn sie Schlimmes erlebt haben und keinen Ausdruck dafür finden. Umso mehr gilt das für traumatische Erfahrungen. 
Diese lassen sich aber nicht mal eben so `erzählen` oder besprechen, was nicht nur an sprachlichen Barrieren liegt, sondern vor allem daran, dass der Schrecken zu groß ist, daran, dass es um UNAUSSPRECHLICHES geht.
 Unaussprechliches lässt sich eher mit Farben, Klängen, oder in einer tänzerischen Bewegung ausdrücken…
 Oft ist das ein erster Schritt, der leichter fällt.
 In den schon begonnenen Stärkungsgruppen machen wir diese Erfahrung immer wieder. (mehr …)

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