Selbstwert, Selbstwirksamkeit und soziales Dominanzstreben – Kritische Anmerkungen zu wichtigen Kategorien gelungener Bindung

Ein Beitrag von Claus Koch

Vorbemerkung

Zwei Anlässe boten sich mir, noch einmal über wesentliche, u.a. auch von der Bindungstheorie abgeleitete Kategorien wie „Selbstwert“, „Selbstvertrauen“ und „Selbstwirksamkeit“ nachzudenken, die auch in meinem letzten veröffentlichten Buch über das Erwachsenwerden eine zugegeben bedeutende Rolle spielen.

Da ist zum einen die Beobachtung, dass sich ein hohes Selbstwertgefühl unter bestimmten Voraussetzungen nicht immer um emphatische Anteilnahme am Schicksal des Anderen ergänzt, sondern, im Gegenteil, anschlussfähig werden kann an die neoliberale Ideologie, dass nur der Einzelne und sein Erfolg zählen und der Schwächere selbst schuld daran sei, nicht zu den „Gewinnern“ zu gehören. Schon in der Kita trifft man auf von Eltern instruierte „Alphakinder“, in der Schule auf Jugendliche und später auf Erwachsene, die mit durchaus guten Bindungserfahrungen und gesundem Selbstvertrauen nur sich selbst und ihr Durchsetzungsvermögen gegenüber anderen im Kopf haben und dabei wenig übrig für die, die sie gerne als „sozial abgehängt“ bezeichnen.

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Was Kinder brauchen – Sieben Geschenke, mit denen Kinder eine sichere Bindung entwickeln können Teil 3: Das zweite Geschenk: Wir interessieren uns für die Kinder und zeigen das.

Ein Beitrag von Udo Baer

Auch das Interesse ist ein Gefühl und wir sollten uns für die Kinder interessieren. Das bedeutet, dass wir nachfragen, dass wir hinhören und hinschauen. Wenn Kinder spüren, dass Erwachsene sich für sie interessieren, hebt dies ihr Selbstwertgefühl. Sie fühlen sich beachtet und somit geachtet. Im Gegenzug, wenn wir Kinder übersehen und überhören, erhöht das die Selbstabwertung der Kinder. Sich für Kinder zu interessieren, beinhaltet, nicht nur nach den Noten und Hausaufgaben zu schauen, sondern nach allem, was die Kinder bewegt.

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Was Kinder brauchen – Sieben Geschenke, mit denen Kinder eine sichere Bindung entwickeln können. Teil 2: Das erste Geschenk: Wir leben Gefühle

Beitrag von Udo Baer

Kinder brauchen Erwachsene, die ihre Gefühle leben und zeigen. Denn Gefühle haben den Sinn, Verbindungen zwischen den Menschen zu schaffen und sie auszudrücken. Was ist der Sinn der Gefühle? Er besteht darin, spontanes Verhalten zu beeinflussen. Wenn ich mich ärgere, möchte ich das Verhalten eines anderen Menschen oder mein eigenes verändern. Wenn ich Angst habe, ziehe ich mich vor anderen zurück. Wenn ich neugierig bin, wende ich mich anderen zu. Wenn ich mich schäme, versuche ich mich zu verbergen … Jedes Gefühl zeigt und beeinflusst gleichzeitig die Begegnung mit anderen Menschen. Deswegen ist es unmöglich, Begegnungsfähigkeiten mit anderen Menschen zu entwickeln und dabei die Gefühle und das Gefühlsleben auszusparen.

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Lösungsorientierte Pädagogik?

Ein Beitrag von Udo Baer

Eine Lehrerin sagte im Anschluss an eine „Pädagogische Balintgruppe“[1]: „Wir sind immer viel zu schnell auf Lösungen aus. Wenn es ein Problem mit einem Schüler oder Eltern gibt, wollen wir sofort Lösungen.“

Lösungen zu suchen, ist ja richtig. Doch der Weg ist entscheidend. Der Weg P – L (Problem – Lösung) ist zu kurz und führt deshalb häufig zu falschen, zumindest nicht nachhaltigen Ergebnissen. Ein Zwischenschritt ist notwendig: P – A – L. A steht für Achtsamkeit und Innehalten.

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Und am Ende zählt nur der „Schnitt“ – ein kritischer Beitrag zum Tag der Einschulung von Claus Koch

Beitrag von Claus Koch

Jetzt ist es wieder soweit: Landauf, landab verlassen die Kinder ihre Kitas und mit ihrer Einschulung beginnt für sie ein neuer Lebensabschnitt. Neugierig sind sie und aufgeregt. Das Abenteuer Schule kann anfangen! Stolz stellen sie fest, bald nicht mehr zu den „Babys“ zu gehören, die noch nicht einmal schreiben, lesen und zählen können. Fast alle freuen sich, endlich in die Schule zu kommen. Dahinter verbirgt sich ihre unausgesprochene Erwartung, immer selbstständiger zu werden, die Welt auf eigene Faust zu entdecken, sie erklären zu können und immer mehr verstehen zu lernen, was um sie herum geschieht. Um es so zu verändern, wie sie es sich vorstellen.

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Trauer Teil 3: Der Brief an den Himmel

Beitrag von Udo Baer

 

Rituale des Abschied-Nehmens erleichtern das Trauern und Loslassen für Kinder (und nicht nur für sie). Eine besondere Form sind Briefe, die an die Menschen und Lebewesen geschrieben oder gemalt werden, die den Kindern wichtig waren und sind. Einige Beispiele und Anregungen:

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Trennung und Scheidung (Teil 4) Residenzmodell, Wechselmodell oder Nestmodell? Zur aktuellen Diskussion.

Beitrag von Claus Koch

siehe auch das Buch zum Thema:

CK

In letzter Zeit ist unter Experten und ebenso unter Eltern eine heftige Diskussion über das „richtige“ Betreuungsmodell für die Kinder nach der Trennung und Scheidung entstanden. Im juristischen Jargon geht es dabei um das „Aufenthaltsbestimmungsrecht“, mit anderen Worte darum, wo, wie lange und wann sich das Kind beim getrennten Partner aufhält. Zusätzlichen Zündstoff erhielt die Diskussion dadurch, dass sich der Bundesgerichtshof im Februar 2017 dafür aussprach, unter bestimmten Umständen dem „Wechselmodell“ gegenüber dem „Residenzmodell“ den Vorzug zu geben, mit anderen Worten, dass es unter bestimmten Bedingungen auch gegen den Willen des Expartners juristisch durchgesetzt werden kann. Insbesondere wurde dieses Urteil von den bislang beim Residenzmodell zu kurz gekommenen Vätern dankbar aufgegriffen.

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Trennung und Scheidung (Teil 3). Gibt es langfristige Folgen für Kinder und Jugendliche von Eltern, die sich getrennt haben?

Beitrag von Claus Koch

Betrachtet man die Häufigkeit von Trennungen und Scheidungen und wie viele Kinder davon betroffen sind, dann ist erstaunlich, wie wenige wissenschaftliche Studien sich mit den für sie langfristigen Folgen beschäftigen. Eigentlich gibt es nur zwei us-amerikanische Langzeitstudien, die, obwohl sie beide schon länger zurückliegen, immer wieder zitiert werden. Auf sie werde ich im Folgenden näher eingehen sowie auf eine dritte Studie, die jüngeren Datums ist, und die seit einigen Jahren am Deutschen Jugendinstitut in München erhoben wird.

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Trennung und Scheidung aus bindungstheoretischer Sicht (Teil 2) Was geht in den Eltern vor?

Für Eltern bedeutet die Trennung keine einfach Situation, auch wenn manche von ihnen zu dem Mittel greifen, sie zu bagatellisieren oder sie sich schönzureden. In den meisten Fällen aber beherrschen Wut und Aggression, Schuldgefühle, Ohnmacht und depressive Verstimmungen das Gefühlsleben, die oft auch mit vorübergehenden Rückzug einhergehen können. Auch Flucht in Arbeit, aber ebenso Arbeitsstörungen können die Folge sein. Darüber hinaus können sich alle diese Gefühle auch mit vielfältigen psychosomatischen Symptomen Ausdruck verschaffen. Wie bei den Kindern spielt auch ihre Bindungsgeschichte eine bedeutende Rolle, wie sie mit der Situation umgehen und sich ihre erworbenen Bindungsmuster auf die nachstehend näher beschriebenen Gefühle positiv oder negativ auswirken. Darüber, wie sich unterschiedliche Bindungsmuster aus der frühen Kindheit, ob zum Beispiel sicher oder unsicher gebunden, auf ihre Bewältigungsstrategien auswirken, liegen allerdings bislang kaum wissenschaftliche Untersuchungen vor.

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Trauer (Teil2): Rituale der Trauer und des Abschieds

Eine Klientin erzählte, dass sie als Kind die Oma tief und innig geliebt hatte. Doch plötzlich war die Oma weg. Sie war an einem Herzinfarkt gestorben. Zur Beerdigung durfte die damals Siebenjährige nicht mit. Die Eltern wollten ihr das „ersparen“.

Das war von den Eltern sicherlich gut gemeint, schadete aber dem Kind. Es konnte sich nicht von der Oma verabschieden. Deshalb blieb der Schmerz um den Verlust in ihr und belastete sie noch als erwachsene Frau.

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