Familie – Krankheit – Selbsthilfe
Beitrag von Dr. Udo Baer
Familie Keller sitzt zusammen bei einer Geburtstagsfeier. Zehn Familieangehörige – Väter, Mütter, Kinder, Enkel, Geschwister – essen miteinander und unterhalten sich. Der Familienvater möchte die Suppe einschenken, seine Hand zittert, er kleckert und lässt schließlich die Kelle fallen. Bleich setzt er sich. Er sagt: „Ich wollte es eigentlich erst nachher sagen: Ich bin krank.“ Er informiert die Familie darüber, dass er an einer chronischen Krankheit leidet und zunehmend zu einem Pflegefall werden wird.
Sofort zeigt sich, dass eine Familie mehr ist als Verwandtschaft und regelmäßige Treffen: Jede Familie hat bestimmte Arten der Kommunikation, der Hierarchien von Aufmerksamkeit und Einfluss, hat Selbstbilder, Atmosphären und andere Eigenschaften. Wie dieses Familiensystem erlebt wird, ändert sich durch eine Krankheit, v.a. eine chronische oder lebensbedrohliche Erkrankung.
Was sich verändern kann, zeigen Studien und Auswertungen unserer Therapie- und Gruppen-Erfahrungen. Betrachten wir als Beispiel Familie Keller:
