Hungrig zur Schule – wenn das Frühstück ausfällt

 

Von Claus Koch

Jedes zehnte Grundschulkind geht mit leerem Magen aus dem Haus, so das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach. Auf die knapp drei Millionen Grundschüler in Deutschland sind das rund 300.000 Schülerinnen und Schüler, die morgens die Wohnung ihrer Eltern – oft auch ohne ausreichendes Pausenbrot – verlassen. Wobei nicht nur sie und ihr ungestillter Hunger das Problem sind, denn darüber hinaus gibt es etwa genauso viele Schüler, die morgens zu Hause zwar frühstücken, aber allein. Was auch damit zu tun haben könnte, dass heute jedes fünfte Kind mit einem alleinerziehenden Elternteil zusammenlebt. Beginnt dessen Arbeit früher als Schule und Hort, müssen viele Kinder dann schon in der Frühe für sich selbst sorgen.

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Wir lange sehen Ärzt/innen in Kinderkliniken täglich die Kinder? 14 MINUTEN!

Beitrag von Dr. Udo Baer

Die Süddeutsche Zeitung berichtete über mehrere Studien, in denen untersucht wurde, wieviel ihrer Arbeitszeit sie mit den Patient/innen verbringen.[1] Die Ergebnisse sind erschreckend: nur 9 bis 13 Prozent. Die andere Zeit geht mit Besprechungen, Dokumentation, Verwaltungsarbeit und anderem drauf. In manchen Kinderkliniken verbringen Ärzt/innen nur 14 Minuten täglich mit ihren kleinen Patient/innen. Nicht mit jedem Kind, sondern die Kontakte mit allen Kindern, für die sie zuständig sind, zusammengerechnet. Das sind selbst bei nur 20 Kindern einer Station weniger als eine Minute je Kind.

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Aus aktuellem Anlass: „Die Kinder von Homburg“

Beitrag von Dr. Claus Koch

Mediziner waren sich Ende des 19. Jahrhunderts bis weit in 20. Jahrhundert darin einig, dass ein Säugling als „Rückenmarksindividuum“ ohne jegliches subjektives Empfinden zur Welt kommt und man deswegen im Umgang mit ihm auf seine Schmerzempfindungen und Gefühle keine Rücksicht zu nehmen bräuchte. Eine Ansicht, die in der Pflege und medizinischen Behandlung von Säuglingen und Kleinkindern noch weit bis in die 1950er-Jahre vertreten wurde. Nicht nur die willkürliche Trennung von Mutter und Kind blieb nach der Geburt gang gäbe, sondern auch der Umgang mit Kleinkindern und Kindern war von der „wissenschaftlichen“ Annahme geprägt, dass diese gegen die Folgen von psychischer Misshandlung und Missbrauch weitgehend immun seien, weil mehr oder weniger empfindungsunfähig und ohne Einsicht. „Das wächst sich aus“ war ein Satz, der vielen Eltern, Kinderpsychologen und Ärzten bei entsprechender Symptomatik damals schnell über die Lippen kam. Erst mit dem Beginn der Säuglingsforschung und dem Paradigmenwechsel in puncto Erziehung ab Mitte der 1960er Jahre änderte sich diese Einstellung grundlegend.

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Kinder ernst nehmen – oder prozesstauglich machen?

Beitrag von Dr. Claus Koch

In unserem Blog vom 26.4. im Beitrag „Die Gesellschaft muss lernen, ihre Kinder ernst zu nehmen“ gehe ich im Zusammenhang mit dem Thema sexualisierter Gewalt auch auf die Vorgänge auf dem Campingplatz in Lüdge ein. Die zahlreichen amtlichen Skandale um den dort stattgefundenen sexuellen Missbrauch an zahlreichen Kinder finden nun in der Frage ihre Fortsetzung, wie mit den Missbrauchsopfern weiterhin umzugehen sei. In einer Mischung aus Hilflosigkeit und Kaltblütigkeit gaben die Polizei Bielefeld und die Staatsanwaltschaft Detmold den Eltern der betroffenen Kinder den Rat, eine Psychotherapie doch erst nach Ende eines Gerichtsprozess zu beginnen.

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„Die Gesellschaft muss lernen, ihre Kinder ernst zu nehmen“

Beitrag von Dr. Claus Koch

 

Geschichten, die zählen – Anfang April dieses Jahres hat die von der Bundesregierung im Mai 2016 ins Leben gerufene „Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs“ ihren ersten Zwischenbericht vorgelegt. Über 1.700 Betroffene von sexualisierter Gewalt hatten sich in den letzten drei Jahren bei ihr gemeldet, über 900 vertrauliche Anhörungen fanden statt, zusätzlich gingen 320 schriftliche Berichte ein. Die Spitze eines Eisberges. Nach der vom Bundesinnenministerium veröffentlichten polizeilichen Kriminalstatistik wurden im vergangenen Jahr 13.683 Kinder als Opfer von sexuellem Missbrauch erfasst – die Dunkelziffer aber liegt weit höher.

Wie die Vorsitzende der Kommission, die Erziehungswissenschaftlerin Sabine Andresen, in ihrer Erklärung weiterhin ausführte, fanden sich die Opfer in allen gesellschaftlichen Bereichen, über das nahe soziale Umfeld bis hin zu Schule, Kirche und Sport. Allein 56 Prozent der Betroffenen wurden in ihren Familien missbraucht.

Eines der wichtigsten Themen der Kommission sei das „Schweigen der Anderen“ gewesen – von Familienangehörigen, Freunden, Nachbarn, Lehrkräften oder Mitarbeitern des Jugendamtes: „Es ist auffällig, wie häufig das nahe Umfeld und die gesamte Gesellschaft versagt haben und Kinder nicht geschützt wurden.“ Damit hätten sie dazu beigetragen, dass der erlebte Missbrauch nicht beendet und später die Aufarbeitung verhindert wurde. Für Prävention und Kinderschutz sei es zentral, diesen Widerständen und dem Schweigen etwas entgegenzusetzen.

 

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„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr auf eure Handys schaut“

Beitrag von Dr. Claus Koch

 

Am 8. September zog ein kleiner, aber lauter Demonstrationszug durch Hamburg. Dutzende Kinder waren der Einladung des siebenjährigen Emil gefolgt, um unter dem Motto „Spielt mit mir, nicht mit euren Handys“ gegen den Handy-Konsum ihrer Eltern zu protestieren. Auch andere Parolen wurden gerufen: „Am Sandkasten Handyfasten“ oder „Chatte mit mir“. Natürlich wurde die Kinder-Demo von Erwachsenen mit initiiert, und dennoch war sie für die mitmarschierenden Kinder eine tolle Übung in Sachen Selbstwirksamkeit: Greift die Mama oder der Papa am nächsten Tag beim Abendessen zum Handy genügt ein strafender Blick, um es schuldbewusst beiseite zu legen.

Ein paar Wochen später macht der SPIEGEL zum selben Thema auf: „Mein Kind, sein Handy und ich“. Das Titelbild zeigt einen Jungen an der Hand seiner Mutter, tief gebückt in sein Handy versunken. Was dann doch einigermaßen verwundert: Denn eigentlich sieht man es auf unseren Straßen, Spielplätzen oder sonstwo eher umgekehrt: Mütter und Väter, die in Begleitung ihrer Kinder wie abwesend auf ihr Handy blicken, am Griff des Kinderwagens E-Mails und WhatsApps checken, in Cafès chatten, daneben das Kind, enttäuscht, frustriert, wie abwesend. Einen kleinen Jungen, der ganz auf sein Handy konzentriert an der Hand seiner Mutter in den Kindergarten oder in die Schule gebracht wird, sieht man wohl eher selten oder eigentlich gar nicht.

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„Spätzünder?“

Ein Beitrag von Dr. Udo Baer

Vor kurzem erfreute ich mich daran, wie toll ein kleines Mädchen schon durch den Hof lief und ihre Welt zu entdecken versuchte. Ich sagte der Mutter, wie wunderbar ich es finde, dass ihre Tochter laufen könne und mutig immer wieder auf`s Neue losgehe. Sie freute sich auch, entgegnete mir dann aber in einem entschuldigenden Tonfall: „Sie ist aber ein Spätzünder. Sie läuft ja jetzt erst, mit 16 Monaten …“

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Flüchtlingen (nicht) helfen?

Ein Beitrag von Dr. Claus Koch

 

Schon kleine Kinder haben, wie wissenschaftliche Studien zeigen, ein ausgeprägtes Gefühl für Gerechtigkeit. Hindert ein blaues Viereck einen Ball daran, einen Hang hinaufzurollen und ist ein grünes Dreieck hingegen bemüht, dem Ball durch Anschubsen aufwärts zu helfen, bevorzugen schon die Allerkleinsten die Farbe des „Helfers“.

In den vergangenen Wochen ist, angestoßen durch einen zumindest missverständlichen Beitrag in der liberalen Wochenzeitung „Die Zeit“, erneut ein Diskussion darüber entbrannt, ob man in Seenot geratene Flüchtlingen vor dem Ertrinken retten soll, bzw. ob durch solche Rettungsaktionen nicht das Geschäft von Schleusern unterstützt werde, die auf die Rettung von in Seenot geratenen Flüchtlingen schließlich spekulieren würden. Während der Artikel in der „Zeit“ die Frage noch offen ließ, machen fremdenfeindliche Parteien jedweder Couleur keinen Hehl daraus, diese Menschen „zur Abschreckung“ auch mal ertrinken zu lassen. In beiden Fällen geht es um dieselbe Fragestellung, nämlich ob es erlaubt ist, Menschen, die in Seenot geraten, aus einem übergeordneten Prinzip heraus ihrem Schicksal überlassen. Darum, dass die Würde des Menschen eben nicht unteilbar ist, wie es unser Grundgesetz festschreibt, sondern je nach politischer Einschätzung Einschränkungen erlaubt sind.

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Asperger-Syndrom benannt nach einem Mordgehilfen

Ein Beitrag von Dr. Udo Baer

Nach dem Wiener Kinderarzt Hans Asperger wurde das „Asperger-Syndrom“ benannt, eine besondere Form des Autismus. Abgesehen davon, dass die Diagnosen des Autismus einschließlich des Asperger-Syndroms auf dem Prüfstand stehen, weil sie sich als zweifelhaft erwiesen haben, ist es dringend notwendig, den Namen „Asperger“ in der Bezeichnung von Symptomatiken von Kindern zu entfernen.

Warum? Weil Asperger ein Mordgehilfe der Nazis war. Aus Karrieregründen bekannte er sich zur „Rassenhygiene“ und schickte Kinder aus seiner Klinik in den „Spiegelgrund“, eine Anstalt in der Nähe von Wien, in dem Kinder als „unwertes“ Leben brutal in den Tod getrieben und direkt ermordet wurden. Das war damals überall in Wien bekannt, erst recht, als die Allierten über Wien 1941 Flugblätter abgeworfen, in denen die Vorgänge im „Spiegelgrund“ detailliert beschrieben wurden. Asperger wurde zusätzlich zu seiner klinischen Tätigkeit Gutachter für das Wiener Gesundheitsamt und schickte 35 Kinder als „aussichtslose Fälle“ in den „Spiegelgrund“.

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Elternarbeit in Schule und Kindergarten, Teil 7: Ihre Fachkompetenz und Ihre Würde

 

 

 

Beitrag von Dr. Udo Baer

Immer wieder einmal erfahren in Elterngesprächen Fachkräfte, dass ihre Vorschläge und Anregungen nicht angenommen werden. Ihre professionelle Haltung fordert dann, sich weiter zu bemühen, mit den Eltern gemeinsam Lösungen zu finden und vor allem nach Wegen zu suchen, um eine Vertrauensbasis herzustellen, auf deren Boden dann überhaupt erst die Suche nach Lösungen möglich ist. Doch Sie sollten nicht vergessen, dass Sie Fachfrauen oder Fachmänner sind. Sie können durchaus sagen: „Als Fachfrau schlage ich vor, dass ….“ Selbstverständlich wäre es besser, wenn solche Einsichten sich im Gespräch gemeinsam entwickeln, aber manchmal gelingt dies nicht. Dann ist die Betonung Ihrer fachlichen Kompetenz unabdingbar.

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