Umgang mit herausfordernden Schülern

„Den Ungehorsamen begleiten, damit er den Weg zu sich selber findet.“

Betrachten wir den allgemeinen Verlauf im Leben eines unglücklichen Kindes, so beruht sein kooperationsunwilliges Verhalten in erster Linie darauf, dass es entweder mit dem Verhalten seiner Eltern in einem Maß kooperiert, dass es selbstzerstörerisch wurde, oder dass es von seinen Eltern oder anderen Erwachsenen so ernsthaft verletzt wurde, dass seine persönliche Integrität Gefahr läuft, sich aufzulösen. (mehr …)

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Forum Beltz: Beziehungskompetenz – bindungstheoretische Überlegungen zum Umgang mit herausfordernden Schülern im Unterricht

Ausgangspunkt

Kinder werden mit sozialen Kompetenzen geboren und haben von Geburt an das existenzielle Bedürfnis, mit anderen eine Bindung und dafür Beziehungen einzugehen. Für ihre gesunde körperliche und psychische Entwicklung ist es notwendig, dass ihre nächsten Bezugspersonen auf ihren Beziehungswunsch fürsorglich mit Gesten und Worten eingehen, und sich auf diese Weise zwischen Mutter/Vater und Kind ein ursprüngliches Resonanzverhältnis herstellt, das beim Kind zu einer Art Urvertrauen in sich selbst und seine Umgebung führt. Um sich in diesem Resonanzverhältnis als wertvoll und anerkannt zu fühlen, suchen die Kinder immer wieder den Kontakt mit den Erwachsenen in der Hoffnung auf ein liebevolles und positives Feedback ihres Verhaltens und sind hierfür von Geburt an bereit zur Kooperation. (mehr …)

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Bildung braucht Beziehung!

Vor einigen Wochen erzählte mir jemand von einem interessanten Experiment. Im Rahmen einer pädagogischen Weiterbildung stellte die Kursleiterin den etwa fünfundzwanzig Teilnehmern folgende Fragen: Wer von Ihnen kann sich an zehn Lehrer erinnern, die in Ihrem Schulleben eine wichtige Rolle gespielt haben? Es folgte betretenes Schweigen. Wer von Ihnen denkt bei dieser Frage an etwa fünf solcher Lehrer – jetzt meldeten sich zwei Teilnehmer. Gibt es für Sie denn zwei Lehrer, an deren Unterricht Sie sich gerne erinnern? Jetzt hob schon die Hälfte der Anwesenden die Hand. Und wer erinnert sich an die eine Lehrerin oder den einen Lehrer, die oder der Ihnen in der Schule einmal „alles“ bedeutet hat? Fast fünfundzwanzig Finger schossen in die Höhe und befreites Lachen kam auf.

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Wie geht Bindungsförderung, wie geht Beziehung in Schule und Kindergarten?

Dass in Schule und Kindergarten die Bindungsfähigkeit von Kindern gefördert werden muss, spricht sich herum und wird oft gefordert. Doch wie kann das geschehen? Was fördert Bindungsfähigkeit? Was können, was sollen Erzieher/innen und Lehrer/innen tun?

Diese Fragen gilt es zu beantworten. Wir haben dazu nicht die vollständigen Antworten, aber wir wollen dazu beitragen, Antworten zu suchen und unsere Erfahrungen und Überlegungen zur Verfügung stellen. (mehr …)

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Das Kind als von Geburt an soziales Wesen

Ein neues Paradigma und seine Folgen für eine moderne und menschliche Pädagogik

Veraltete, bis heute in der Pädagogik dennoch weit verbreitete entwicklungspsychologische Vorstellungen

Bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts war die Vorstellung von einem Kind als bei seiner Geburt asozialem und triebgesteuerten Wesen vorherrschend. Diese Auffassung baute auf inzwischen widerlegten entwicklungspsychologischen Annahmen der 1920er und 1930er Jahre auf, orientierte sich bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts an entsprechenden Erziehungsvorstellungen aus dem Kaiserreich oder dem Nationalsozialismus, was sich in änderte, als die nach Kriegsende in Europa und den USA populärer werdende Psychoanalyse bzw. Verhaltenspsychologie auch für die Sozialwissenschaften immer bedeutender wurde. Aber auch diesen Ansätzen ist gemein, dass sich Kinder ohne entsprechende pädagogische Interventionen und Erziehungsmaximen zu Hause zu mehr oder weniger „a-sozialen“ Wesen entwickeln, solange ihnen keine Grenzen aufgezeigt werden.

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Herausfordernde Schüler

Für viele herausfordernde Kinder sind Lehrer die erste Erfahrung von stets anwesenden, zuverlässigen Erwachsenen. Darin besteht eine große Chance – wiederholen sich allerdings frühkindliche, schädliche Bindungsmuster, zum Beispiel durch Ignoranz, Ablehnung oder Zurückweisung, wird das auffällige Verhalten des herausfordernden Kindes entweder gestärkt oder das Kind resigniert.

Obwohl die herausfordernden Kinder nur einen geringen Teil der Schülerschaft ausmachen, nehmen sie einen sehr großen Teil der Aufmerksamkeit des Lehrers in Anspruch. Man könnte auch von, wie unter Pädagogen vielerorts noch üblich, „anstrengenden“,“ „störende“, „ungezogenen“ Kindern sprechen, oder von Kindern mit sozialen Problemen, Kindern mit Lernstörungen usw. sprechen – ich selbst bevorzuge den von Juul und Jensen benutzten  „herausfordernde Kinder“ (Juul/Jensen 2012), weil er ein beziehungsmäßiges Phänomen beschreibt, statt Kinder nach ihrem Verhalten zu kategorisieren und stigmatisieren. Die Verantwortung gegenüber solchen Kindern liegt immer beim Lehrer.  (mehr …)

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Die Geschichte von Frank

Frank ist ein eher stiller, zurückhaltender Schüler, 10 Jahre alt und vor einem halben Jahr in die 5. Klasse einer Gesamtschule gekommen. Das erste Halbjahr fiel er in seiner Klasse nicht besonders auf, oder, wie seine Lehrerin Marion fand, im Gegensatz zu den vielen anderen munteren Schülern fast zu wenig. Irgendwie blieb er für sie unsichtbar, nicht „greifbar“, durchsichtig. Am Unterricht beteiligte er sich nur, wenn er aufgerufen wurde, und dann wirkte er häufig geradezu erschrocken, so als wäre er ganz woanders mit seinen Gedanken. (mehr …)

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Nach den Anschlägen in Paris – Kindern von Flucht, Krieg und Terror erzählen?

Seit 70 Jahren kennen die Menschen in Deutschland und anderen wohlhabenden Ländern Europas keinen Krieg, und es sind nun schon drei Generationen, die in ihrem Leben Frieden und Wohlstand erfahren haben – verglichen mit früheren Generationen ein fast unglaublich anmutendes Geschenk. Dass sich Menschen, die vor Krieg und unmenschlicher Gewalt in ihren Ländern flüchten, zu uns aufmachen und dabei ihr und das Leben ihrer Kinder riskieren, ist nur allzu verständlich. Die meisten von uns würden an ihrer Stelle wohl ähnlich handeln.

Wir als Eltern stehen dabei vor einer Aufgabe, die wir bislang so noch nicht kannten und neu lernen müssen: Wie Kindern von Krieg, Flucht und Terror erzählen, wenn alles jetzt nicht mehr nur weit weg von uns, sondern geradewegs vor der Haustür stattfindet? (mehr …)

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