In diesen Tagen hat die Fußballweltmeisterschaft begonnen. An dieser Stelle soll es jedoch nicht darum gehen, welche Mannschaft gewinnt oder verliert oder wer am Ende Weltmeister wird. Stattdessen geht es um die, die vor Beginn des Spiels die Spieler ins Stadion begleiten. Es geht, mit anderen Worten, um die Einlaufkinder.
Da stehen sie nun vor ihren oft millionenschweren Vorbildern, wenn die Nationalhymnen erklingen. Haben den Rasen zusammen mit ihren großen Idolen betreten, an ihrer Hand wie früher einmal mit den Eltern. Manche von ihnen, egal ob Junge oder Mädchen, werden davon träumen, später auch einmal so berühmt zu werden wie die, die sie jetzt ins Stadion begleiten. Und obwohl das alles zur großen Inszenierung eines Fußballspiels gehört, die Herzen der Fans zu erobern, berührt einen der Anblick dieser Kinder, wie sie dastehen und sichtbar ausdrücken, wie stolz sie darauf sind, dass gerade sie ausgewählt wurden. Und jedes ihrer Gesichter, ihre Mimik und jede ihrer Körperhaltung erzählt uns beim genauen Hinsehen auch eine Geschichte, ihre Geschichte.
Da gibt es kleine, große, übergewichtige und ganz dünne Kinder, manche, die schüchtern und furchtsam auf den Boden schauen, andere, die frech und mit blitzenden Augen in die Kamera sehen, einige Jungen, die Grimassen schneiden, oder wieder andere, die uns Zuschauern zuwinken, die einen scheu und zaghaft, die anderen selbstbewusst, energisch und voller Freude. Sie alle verspüren bei sich die Aufmerksamkeit, die sich jetzt für einen kurzen Moment auf sie richtet, eine Aufmerksamkeit, die ihnen im Alltag wahrscheinlich nicht immer zuteil wird – auch das sieht man manchen von ihnen an. Aber egal, was in ihnen gerade vorgeht – dieses Erlebnis wird ihnen unvergesslich bleiben.
Viele von ihnen haben diesem Tag schon lange entgegengefiebert. Und wir, die ihnen zusehen, wie sie da nun stehen, freuen uns mit ihnen, wenn sie am Ende der Zeremonie nun gar nicht mehr so geordnet wie anfangs alle durcheinander zum Ausgang wirbeln, immer noch stolz und sicherlich auch froh, das alles gut überstanden zu haben. Und wir erinnern uns einmal mehr daran, wie verschieden Kinder sind, wenn wir nur genau hinsehen. Und ihnen nicht nur bei dieser Gelegenheit unsere ganz Aufmerksamkeit schenken. Manche selbstbewusst, neugierig und stolz, andere ganz verhalten, schüchtern und ganz zerbrechlich – und alle das Leben auf ihre Weise noch vor sich.
